
Pfarrei
von Anita Irl
Gebetstag zur Ehren Anna Schäffers
Anna Schäffer Kirche wird Diözesanheiligtum
Der Anna-Schäffer-Gebetstag, von den Einheimischen liebevoll-kurz Annatag genannt, ist ein Höhepunkt im Wallfahrtsgeschehen in Mindelstetten und zieht jedes Jahr aufs Neue hunderte Pilger aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an. Beim diesjährigen Gebetstag erklärte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer die Kirche der heiligen Anna Schäffer zum Diözesanheiligtum.
Seit der Umbettung ihrer Gebeine in die Pfarrkirche am 26. Juli 1972 erlangte die Wallfahrt zum Grab Anna Schäffers neue Bedeutung. Seitdem wird der Gebetstag jährlich gefeiert. Mit ihrer Selig- und Heiligsprechung wurde Anna Schäffer für viele ein Vorbild im Glauben und das Gotteshaus mit ihrem Grab zu einem Zentrum des Gebetes.
Mit einer im Laufe der Jahre entwickelten Routine, doch mit weithin viel Herzblut haben die Mindelstettener wieder den Gebetstag zu Ehren „ihrer“ Heiligen vorbereitet: Das Grab ist mit weißen Orchideen festlich geschmückt, auf den Altären der beiden Kirchen stehen Gestecke mit Sonnenblumen, auf dem Kirchplatz wurde das Altarpodium aufgebaut und mit Girlanden verziert, das Geburtshaus ist ganztägig für die Besucher geöffnet. Die örtliche Feuerwehr steht wieder für den Ordnungsdienst und die Sanitäter des Bayrischen Roten Kreuzes für eventuelle Notfälle bereit.
Bereits am Morgen treffen die ersten Pilger ein, um gemeinsam einen Rosenkranz als Vorbereitung für den Vormittagsgottesdienst zu beten. Als die Messfeier mit dem Lied „Zum Grabe der heiligen Anna wir ziehn“ eröffnet wird, sind sowohl die Pfarrkirche als auch die Anna-Schäffer-Kirche bis auf den letzten Platz besetzt und Bierbänke werden als weitere Sitzgelegenheiten aufgestellt. Ortspfarrer Josef Schemmerer begrüßte die Besucher von nah und fern als „Pilger der Hoffnung“, ehe er die Leitung des Gottesdienstes an Regionaldekan Thomas Stummer aus Neustadt/Donau übergibt. In Anlehnung an das Wort Anna Schäffers, „Die Sonne meines Lebens ist Jesus Christus“, gibt Stummer den Gläubigen bei seiner Predigt über das Fürbittgebet ein Zitat Christian Morgenstern mit auf den Weg: „Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiter zu wandeln“.
Domvikar Georg Schwager, der als Leiter der Abteilung für Selig- und Heiligsprechung der Diözese Regensburg eng mit der Selig- und Heiligsprechung Anna Schäffers verbunden war und als Gründer der Anna-Schäffer-Bruderschaft ihre Verehrung sehr förderte, feierte in den Mittagsstunden eine Messe im Tridentinischen Ritus. Bei der Bruderschafts-Andacht ruftf der Domvikar den Mitgliedern das Gebet und die Fürsorge für Kranke und Notleidende in Erinnerung.
Dem unbeständigen Wetter und den aufziehenden Wolken ist es geschuldet, dass sich der Kirchplatz ab den frühen Abendstunden nur langsam füllt und der Regenschirm ein unabdingbarer Begleiter ist. Während des Rosenkranz-Psalters, der wie jedes Jahr wieder von Kindern und Jugendlichen vorgebetet wird, regnete es zum Teil kräftig. Deshalb suchen viele Beter in der Kirche Schutz und harren auch während des Abendgottesdienstes dort aus. Doch mit den letzten „Ave-Marias“ des Rosenkranzgebetes hörte auch der Regen auf.
Beim feierlichen Einzug zum Pontifikalamt zieht der liturgische Dienst heuer zuerst zum Grab der Heiligen. Mit den Worten: „Du hast durch dein Opfer unzählige Herzen erfüllt. Erbitte uns Mut zum Glauben, Geduld im Leid und Treue im Alltag“ ruft der Bischof die heiligen Anna um Fürbitte an und erklärt die Kirche der heiligen Anna Schäffer offiziell zum Diözesanheiligtum. Das schriftliche Dekret wird anschließend auf dem Altarpodium vom Bischof Voderholzer verlesen und an Pfarrer Schemmerer überreicht. Darin würdigt der Bischof zum einen das Glaubenszeugnis der heiligen Anna, aber auch der Vielen, die an ihrem Grab beten. Zum anderen werden die pastoralen Rechte und Vorzüge der Wallfahrt zur heiligen Anna Schäffer zum Ausdruck gebracht.
Zusammen mit Pfarrer Schemmerer, dem ehemaligen Mindelstettener Pfarrer Johann Bauer, Regionaldekan Thomas Stummer, Dekan Thomas Zinnecker und zahlreichen weiteren Priestern feiert dann der Bischof den Pontifikalgottesdienst. Bei seiner Predigt spricht er über die Prüfungen des Glaubens als Aufruf, wie Anna Schäffer über sich selbst hinauszuwachsen.
Unter den Gottesdienstbesuchern befinden sich auch der Eichstätter Landrat Alexander Anetzberger, stellvertretender Landrat Bernhard Sammiller, Bezirksrat Alexander Heimisch, Bezirksrat a. D. Reinhard Eichiner, Altbürgermeister Josef Kundler und Bürgermeister Alfred Paulus aus Mindelstetten, sowie Bürgermeister Josef Lohr aus Oberdolling.
Der Gottesdienst wird vom Mindelstettener Kirchenchor unter Leitung von Wolfgang Schauer und Christina Schmailzl an der Orgel mit der Anna-Schäffer-Messe musikalisch umrahmt.
Am Ende des Gottesdienstes bedankt sich Pfarrer Schemmerer bei den vielen freiwilligen Helfern die zum Gelingen des Gebetstages beigetragen haben.
Nach der Segnung der Andachtsgegenstände und dem bischöflichen Schusssegen singt die Gottesdienstgemeinde noch gemeinsam das Te Deum.
Während der Bischof auf dem Weg zurück zum Pfarrhof noch die anwesenden Kinder segnete und an den Ministranten Rosenkränze verschenkte, machten sich die zahlreichen Helfer bereits wieder ans Aufräumen.